Lieblingsschulfach Reiten
Pressebericht aus der Zeitschrift St. Georgüber Schule und Reiten in Neustadt / Dosse auf der Prinz-von-Homburg-Schule - Ausgabe April 2012
Lieblingsschulfach Reiten
Wie toll ist das denn?! Eine Schule, in der man seinen Notendurchschnitt durch Reiten aufbessern kann! Wo es so etwas gibt? In Neustadt/Dosse, auf der Prinz-von-Homburg-Schule. Georgie hat sich das mal für euch angeschaut.
Drei Örtlichkeiten, ein Konzept: Reiten in der Schule. Angrenzend an das brandenburgisehe Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse liegt die Prinz-von-Homburg-Schule und daneben wiederum befinden sich die beiden Internate Schloss und Mühle Spiegelberg.
Gewohnt wird in den beiden Internaten, geritten im Haupt- und Landgestüt, gelernt in der Schule, logisch. Seit einigen Jahren bietet die Prinz-von-Homburg-Schule das Wahlpflichtfach Reiten an. Das müsst ihr euch vorstellen, als wenn ihr z.B. Informatik zu euren normalen Schulfächern hinzuwählt. Die "WPF-Schüler" reiten einmal pro Woche. Wesentlich intensiver ist der Reitstundenplan für die Schüler der "Spezialklasse Reiten".
Die sitzen viermal pro Woche im Unterricht auf dem Pferd und nehmen oft auch noch private Reitstunden. Ihr Können im Sattel wird benotet. Aus ganz Deutschland, von Bayern bis nach Schleswig-Holstein, vom Rheinland bis an die polnische Grenze, kommen pferdebegeisterte Jugendliche nach Neustadt/Dosse, um hier Reiten als Schulfach belegen zu können. Unterrichtet werden sie sowohl von den sogenannten "Lehrertrainern", die sie auch aus dem Schulunterricht kennen, als auch von den Reitlehrern des Haupt- und Landgestüts. Die Schüler können ein eigenes Pferd mitbringen, müssen es aber nicht. Bis zur neunten Klasse reiten viele auf den Schulpferden des Landgestüts. Ab dann sollten sie entweder eine feste Reitbeteiligung oder ein eigenes Pferd haben. Denn die Kinder nehmen auch an Turnieren teil. Im Sommer, während der Turniersaison, müssen sich die Reiter in der Umgebung des Haupt- und Landgestüts warm anziehen, wenn die Schüler der Spezialklasse Reiten Dressurviereck, Spring- und Geländeparcours unsicher machen. Josefine (12) und Tamina (13) gehen in die siebte Klasse und kommen gerade vom Reitunterricht um elf Uhr morgens. Wenn das mal nicht beneidenswert ist! Danach müssen sie wieder in die Schule zum Kunstunterricht in Reithosen.

„Daran stört sich hier keiner, das ist normal", berichten sie. Zwischendurch gewähren sie Georgie Einblick in ihr Allerheiligstes, ihr Zimmer im Internat "Mühle Spiegelberg". Das ist klein, aber sehr gemütlich. Mit einem normalen und einem Hochbett, Pferdebildern an der Wand und Pferdezeitschriften auf dem Schreibtisch und die Schulbücher? Die stehen versteckt im Regal. Neben einem Buch mit dem Titel "Nichts als Pferde im Kopf“
Eben weil genau dies bei ihr der Fall ist, reiste Tamina aus Stuttgart nach Neustadt/Dosse in Brandenburg, um hier Schule mit Reiten verbinden zu können. Ganz schön weit! Hat man da nicht ein bisschen Heimweh? "Naja. Manchmal ist es schon schwer, dass ich meine Familie so selten sehe.“ Zumal Tamina auch ihr Pony nicht mitnehmen durfte. Doch fur beides hat sie nun Ersatz: ihr Lieblingspferd Santa Priama, ihre neue Mitbewohnerin Josefine und all die anderen Kinder.
Josefine hingegen hatte noch gar kein Heimweh. „Es ist schon ganz cool, so selbstständig zu sein! Sie hat aber auch Glück, denn ihre Oma wohnt in Berlin, nur rund 100 Kilometer entfernt von Neustadt/Dosse. Wer mit dem Gedanken spielt, sich für die Spezialklasse Reiten in Neustadt/ Dosse zu bewerben (hier wird nicht jeder genommen, man muss einen Aufnahmetest machen), kann zunächst eine Woche auf Probe im Internat verbringen. Dann hat man schon mal eine Ahnung, wie sich das Leben à la Hanni und Nanni so anfühlt.

Springstunde
Zwei, die das schon länger kennen, sind die 15 Jahre alte Frederike Eggersmann und ihre beste Freundin, Stina Packheiser (14). Die beiden gehen in die neunte Klasse und sind auch reiterlich schon ein bisschen weiter. Frederike hat sich mit ihrem neuen Pferd, dem schicken Fuchswallach Lauricio, innerhalb eines Jahres von E-Niveau auf L-/M Niveau hochgearbeitet. Ihre Spezialität ist das Springreiten. Stina hat"s mehr mit der Vielseitigkeit. Mit ihrem Pony Hannes gehört sie sogar zum Bundeskader. Für die Springstunde, die sie und Frederike (genannt "Fridde") gleich haben werden, sattelt sie allerdings ihr Großpferd, die Stute Lena. Ihr Reitlehrer, Udo Hildebrandt, wartet bereits auf die beiden. Heute steht Gymnastikspringen auf dem Programm. Zunächst wird über Cavalettis und Stangen getrabt, dann kleine Reihen gesprungen. Und wehe, die Mädels reiten beim Wenden zu nah an die Bande heran ...
ln Neustadt/Dosse wird aber nicht nur geritten. Das Wetter draußen ist alles andere als schön, und trotzdem müssen die Vierkämpfer los zum Konditionstraining. Laufen steht auf dem Stundenplan und manchmal auch Schwimmen. Aber am liebsten sind den Mädels natürlich die Reitstunden. Nur eine Schülerin aus der Mühle Spiegelberg hat nichts mit Pferden zu tun. Das Leben der Mädels (und einer Handvoll Jungs) dreht sich hier also nicht nur im Stall, sondern auch „zuhause" hauptsächlich um Pferde.
Bei manchen zu sehr. "Wenn die Schulnoten in den anderen Fächern schIechter werden, muss ich ein ernstes Wörtchen mit den Kindern reden", sagt die Leiterin des Internats Mühle Spiegelberg. Also machen wir uns nichts vor, das ist fast wie zuhause ...
Dominique Wehrmann